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Ortsportrait: Kerschenbach

1. Kerschenbach heute  |  2. Namensdeutung  |  3. Geschichtliche Entwicklung

4. Religiöses Leben  |  5. Die Luzia-Kapelle  |  6. Brauchtum  |  7. Sage der Getreidemühle 


Aktualisiert am 26.10.2014


1. Kerschenbach heute, im Jahre 2014

Die selbstständige Ortsgemeinde Kerschenbach in der VG Obere Kyll liegt zwei Kilometer westlich von Stadtkyll an der Nordgrenze des Kreises Vulkaneifel (bis 2007 Kreis Daun). 169 Einwohner mit Hauptwohnsitz und 15 mit Nebenwohnsitz wohnen in Kerschenbach. Im Feriengebiet „Kyllerberg“ leben nochmals 13 Einwohner mit Hauptwohnsitz und 72 mit Nebenwohnsitz. Insgesamt also 269 Einwohner.
(Stand: Juli 2014). Der Ort besteht zur Zeit aus 75 Häusern und 76 Familien. Der „Kyllerberg“ weist zusätzlich noch 80 Ferienhäuser auf. Die Höhenlage des Ortes beträgt ca. 550 Meter. Durch den Ort verläuft die Kreisstraße (K 64) Ormont - Stadtkyll. Mitten im Dorf befindet sich ein Gemeindehaus mit einem Kinderspielplatz und einem Feuerwehrhaus. An dem Ort in Richtung Stadtkyll gegenüberliegenden Berghang (Kyllerberg) entstand ein Ferienwohngebiet.
In den 70er Jahren wies die Gemeinde ein Neubaugebiet aus.Die Gemarkungsgröße beträgt 691 Hektar, davon gehören 116 Hektar der Gemeinde mit 96 Hektar Waldfläche.Kerschenbach war wie viele Eifelorte landwirtschaftlich geprägt; doch die Zahl der Höfe ging bedingt durch den Strukturwandel stark zurück. Im Ort existieren noch zwei Vollerwerbs- und drei Nebenerwerbsbetriebe. Erwerbstätige arbeiten meist als Pendler in auswärtigen Betrieben, sodass sich die Entwicklung zu einem reinen Wohnort abzeichnet. Als Gewerbebetriebe sind ein Speditionsunternehmen,ein Malerbetrieb und eine Pension angemeldet. Ein Hufschmied ist ebenfalls im Nebenerwerb noch tätig. Alle Versorgungseinrichtungen sind vorhanden. Im Ort besteht seit 1908 eine eigene Wasserversorgung.Die Quelle „Goldberg“ ist jedoch 2007 von den Verbandsgemeindewerken "Obere Kyll" geschlossen worden, da die Wassergewinnung nicht mehr rentabel war. Größere Investitionen wären vonnöten gewesen um die gesetzlichen Forderungen, hinsichtlich der Wasserqualität, zu erfüllen.
Der erste Kanalbau datiert aus dem Jahre 1954. Eine Teichkläranlage ist seit 1972 in Betrieb. 

In der ehemaligen Dorfschmiede waren Feuerwehr, Gemeindewaage und das Gefrierhaus untergebracht. Eine Gemeinschaftsgefrieranlage wurde 1968 angeschafft. Bis 1967 hielt man noch einen Gemeindestier. 1970/71 erbaute Kerschenbach ein Gemeindehaus, in dem Feuerwehr und Gefrieranlage Platz fanden, sodass die alte Dorfschmiede abgerissen werden konnte.
Eine gründliche Renovierung mit Dachausbau wurde im Jahre 1996 durchgeführt. Das undichte Flachdach wurde durch ein Satteldach ersetzt.
Insgesamt erbrachte die Bevölkerung bei der Renovierung etwa 3000 freiwillige Arbeitsstunden.
Im Jahre 2004 errichtete die Gemeinde einen neuen Dorfplatz, der auch die Funktion eines Jugendtreffs erhalten hat.
Außerdem ist hier eine Kommunikationsplattform für alle Bürger (alt & jung) entstanden. Eine Spielfläche für Fußball, Basketball, Streethockey und Inline-Skating ist ebenfalls vorhanden.
Die alte Dorftränke ist wieder als Sandsteintrog an der alten Stelle am neuen Dorfplatz integriert worden und wird durch eine Gußeiserne Schwengelpumpe mit Wasser versorgt.
Auch hier wurde Eigenleistungen der Bewohner von etwa 900 Std. geleistet.
Sehenswert sind alte Bauernhäuser und die Luzia-Kapelle. Eine Schule besaß Kerschenbach nicht. Die Kinder besuchten die Volks- und Grundschule in Stadtkyll. Auch kirchlich ist der Ort heute der Pfarrei Stadtkyll angegliedert.
Kerschenbach hat eine eigene Feuerwehr, eine Frauen- und Jugendgruppe sowie einen Junggesellenverein. 2003 wurde erstmals eine Fußball-Freizeitmannschaft gegründet. Seit dem Jahre 2012 gibt es einen bisher sehr erfolgreichen Tischtennisverein. Um diesem einen angemessene Trainingsraum anzubieten wurde das Dachgeschoss des Gemeindehauses, wiederum in Eigenleistung, ausgebaut.
Nach 1990 fand 2007, auch wieder mit Hilfe der Bild Zeitung, eine komplette Sanierung des Spielplatzes in Eigenleistung statt. Insgesamte Spenden der Bildzeitung waren 1990 - 11.000 DM und in 2007 - 10.000 € .
Im Jahre 2008 wurde am 13.12. der Spatenstich zum ersten Bolzplatz am Gemeindehaus ausgeführt. Es war der 1. geförderte Bolzplatz in Rheinland Pfalz. Die Einweihung war am 16.08.2009 in Anwesenheit des Innenministers Bruch aus Rheinland Pfalz. Der Zuschuss betrug 15.000 €. Ein historisches Erlebnis erfuhr die Gemeinde am  20.Juni 2009. An diesem Tage wurden zwei neue Glocken für die Luziakapelle in der Ortsmitte neben dem Dorfplatz gegossen. Die Glockenweihe war am 6.09.2009 auf dem Dorfplatz.
Auf dem Friedhof wurde 2010 eine neue schöne Brunnenanlage von der Freiwilligen Feuerwehr Kerschenbach aufgebaut. Finanziert wurde die Anlage durch die Aktion des Energieversorgers "RWE vor Ort".
Am 6. Mai 2012 fand der erste Bürgerentscheid in der Ortsgemeinde statt. Mit 68,75 % endschieden sich die Einwohner für einen Wechsel in die Verbandsgemeinde Prüm. Der Wechsel soll vorraussichtlich zum 1.01.2017 umgesetzt werden. Bei der ersten Gebietsreform kam Kerschenbach am 7. November 1970 aus dem Altkreis Prüm zum neuen Kreis Daun.
Aktuell strebt die Ortsgemeinde den Bau von Windkraftanlagen auf der Gemarkung von Kerschenbach an.

Kirmes feiert die Gemeinde gemeinsam mit Stadtkyll im August, obwohl eigentlich seit alters her das Luzia-Fest im Dezember als Kirmes begangen wurde. Dies wurde jedoch im Jahre 1890 durch Gemeinderatsbeschluss geändert. An Brauchtum existieren das Sternsingen, verschiedene Faschnachtsbräuche, Burgfeuer (1. Fastensonntag), Klappern in der Karwoche, Aufstellen von Mai- und Kirmesbäumen, der Martinszug (in Stadtkyll) und das Ströppen und Streuen. Diese Hochzeitsbräuche kommen dann zur Geltung, wenn jemand aus einem anderen Ort ein Kerschenbacher Mädchen freit.
Als selbstständige Gemeinde hat Kerschenbach einen Bürgermeister und sechs Ratsmitglieder.

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2. Namensdeutung

Der Ortsname „Kerschenbach“ steht mit dem nahen und gleichnamigen Bachlauf in Verbindung. Im 17./18. Jahrhundert hieß der Ort „Kirschembach“. Das Bestimmungswort „Kerschen“ geht auf das althochdeutsche Wort „kar“ zurück, was soviel wie „Tal“ oder „Höhle“ bedeutet. Kerschenbach bedeutet also „Talbach“.

Ein Ort mit dem gleichen Namen gibt es noch in Niederösterreich. Dieser gehört zur Kastralgemeinde St. Veith an der Gölsen. (etwa 80 km vor Wien)

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3. Geschichtliche Entwicklung

Wann das Dorf entstand, lässt sich nicht mehr mit Gewissheit feststellen. Die Namensendung –bach deutet auf eine Entstehung in der Eifeler Rodungsphase hin, die im 12. Jahrhundert fest zu machen ist.
Römische Spuren tauchten bisher nicht auf. Als im Oktober 2003 bei den Bauarbeiten des neuen Dorfplatzes handgeformte Tonrohre zum Vorschein kamen, wurde man hellhörig. Solche Tonrohre können römischen Ursprungs sein. Voraussetzung dafür wäre dann aber die bewiesene Existenz einer römischen Anlage in Ortsnähe. Doch auch während des Mittelalters bis in die Neuzeit waren solche 50 Zentimeter langen und im Innendurchmesser 4 Zentimeter breiten Wasserleitungsrohre üblich. Doch nun weiß man, dass die glasierten Tonrohre zur Speisung der ehemaligen Dorftränke gedient haben. Sie stammen aus dem Kannebäcker Land.
Auf festem historischen Boden stehen wir durch die ersten Quellen, die Kerschenbach erwähnen. 1327 erhielt der Ritter Friedrich I. von Kronenburg die Stammburg mitsamt einigen umliegenden Orten als Lehen. Dazu gehörte auch Kerschenbach. Aus einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1345 erfahren wir, dass die Grafen Arnold I. und Gerhard V. als Herren von Blankenheim neben anderen Dörfern auch Kerschenbach dem König Johann von Böhmen als Grafen von Luxemburg übertrugen. Für 2.000 Schildgulden erhielten die Grafenbrüder das Gebiet zurück, wobei sie aber in Kriegszeiten dem Graf von Luxemburg helfen mussten. Der Urkunde zufolge gehörte Kerschenbach zur Blankenheimer Herrschaft im Hofe Stadtkyll. Schließlich fiel fast der gesamte Eifelraum an die Grafen von Manderscheid. Zum Besitz dieses Hauses gehörten seit 1468 auch die Grafschaften Blankenheim und Gerolstein, wozu auch Kerschenbach gehörte. In dieser Zeit muss Kerschenbach ein Hochgericht besessen haben. Im Erbteilungsvertrag von 1488 zwischen den Grafen Cuno und Johann von Manderscheid erfahren wir, dass Graf Cuno die Hälfte aller Abgaben von Kerschenbach erhielt. Die andere Hälfte stand seinem Bruder zu mitsamt dem „Hochgericht zu Kerschenbach“.
Kirchlich gehörte Kerschenbach in dieser Zeit zu Kronenburg. Da Kronenburg bis 1603 zu Luxemburg gehörte, bezeichneten die Stadtkyller Kerschenbach als „Spanisches Ländchen“. Kaiser Karl V. hatte nämlich 1555 seinem Sohn Philipp II. Luxemburger Gebiet übergeben. Somit war Philipp als spanischer König Besitzer Kronenburgs. Scherzweise bezeichneten die älteren Stadtkyller die Kerschenbacher als „Spanier“.
Nach dem 30jährigen Krieg existierten nur noch drei Familien in Kerschenbach: Theiß Webers, Gotthard Ebertz und Richard Holtz. Die zur gleichen Zeit verübten Hexenverfolgungen machten auch vor Kerschenbacher Frauen nicht Halt.
Bereits 1581 wurde Katharina (Threin) Schligers als „Hexe“ in Gerolstein hingerichtet. Dieser Gerolsteiner „Brand“ gehörte zu den frühesten Hexenprozessen im Hocheifelraum. 1633 fiel Margarethe Heinen dem Wahn zum Opfer.
Und nun muss noch ein Kuriosum der Kerschenbacher Geschichte Erwähnung finden. Im 17. Jahrhundert sollen wegen einer Pestepidemie drei Familien, deren Wohnungen auf Kronenburger Gebiet gestanden hatten, nach Kerschenbach umgezogen sein. Obwohl sie in blankenheimisch-gerolsteinischem Gebiet (Hof Stadtkyll) wohnten, blieben sie als Kronenburger luxemburgische Untertanen. In der Franzosenzeit (1796) kamen diese drei Häuser mit der Mairie (Bürgermeisterei) Kronenburg zum Ourthe-Departement, während das Dorf Kerschenbach zur Mairie Stadtkyll im Saar-Departement gehörte. Auch kirchlich gingen die drei Häuser getrennte Wege. 1801 fiel man mit Kronenburg an die Diözese Lüttich und 1821 an die Erzdiözese Köln. Das Kölner Vikariat nannte Kerschenbach „theils spanisch – theils gerolsteinisches Territorii“. Die beiden Pfarrer von Stadtkykll und Kronenburg einigten sich dahingehend, dass jeder von beiden die Kerschenbacher Seelsorge ausübten, wenn er verlangt wurde oder gerade in Kerschenbach anwesend war.
Nach der Franzosenzeit klärten sich allmählich die Kerschenbacher Verhältnisse. Die drei Häuser fielen aber zunächst durch die Bestimmungen des Wiener Kongresses (1814/15) mit Kronenburg an Meckenburg-Strelitz bis 1819. Dann gelangten sie mit Kronenburg zur preußischen Rheinprovinz im Kreise Schleiden/Reg.-Bez. Aachen. Kerschenbach kam zur Bürgermeisterei Stadtkyll und damit 1816 zum neu gebildeten Kreis Prüm. Aufgrund vieler Eingaben wurde dann der gesamte Ort Kerschenbach der Bürgermeisterei und später der Amtsbürgermeisterei Stadtkyll zugeordnet. Seit der Verwaltungsreform von 1970 gehört Kerschenbach zur Verbandsgemeinde Obere Kyll und somit zum Kreis Daun.

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4. Religiöses Leben

Kerschenbach gehörte, wie schon erwähnt, jahrhundertelang zur Pfarrei Kronenburg. Im Kronenburger Visitationsbericht von 1687 heißt es ausdrücklich, die Kapelle zur hl. Luzia zu Kerschenbach gehöre zu Kronenburg.
1737 berichtet eine Urkunde: „Cronenburg hat vier consecrirte Kapellen: Berk, Hallschlag, Frauenkron und Kerschenbach“. Im Status von 1750 wird Kerschenbach ebenfalls als eine Filiale von Kronenburg erwähnt. Zeitweise ließen sich die Einwohner von Kronenburgerhütte in Kerschenbach beerdigen. Kerschenbach bot in der französischen Zeit flüchtigen Geistlichen, die den Eid auf die Zivil-Konstitution verweigerten, eine Zufluchtsstätte.
Nach der französischen Zeit wurden auch die kirchlichen Zugehörigkeiten neu geregelt. 1827 kam Kerschenbach an die
Pfarrei Stadtkyll in der Diözese Trier.
Die Kerschenbacher Kapelle ist der hl. Luzia geweiht und stellt ein Kleinod für den Ort dar. Das Luzia-Fest (13. Dezember, ehemals Kirmes) wurde stets unter großer Beteiligung der Gläubigen auch der umliegenden Orte gefeiert.
Die Kirchenfabrik bewirtete die zu dieser Feier erschienenen Geistlichen. Ab 1880 wird die Kirmes jedoch am 1. Sonntag nach Martini mit der Stadtkyller Kirmes gefeiert. Seit 1946 singt die Gemeinde ihr eigenes Luzia-Lied.
Außerdem feierte man am 13. Mai das Fest des hl. Servatius. Zu diesem Fest erschien auch eine Prozession aus Stadtkyll. Ein alter Brauch war es auch einmal im Jahr eine Bittprozession zu den 7 Kreuzen abzuhalten, die rund um Kerschenbach aufgestellt waren. Meist handelte es sich dabei um schlichte Holzkreuze, einige waren aus Stein.
Heute ist leider kein Kreuz mehr erhalten.

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5. Die Luzia-Kapelle

Die St. Luzia-Kapelle ist ein verputzter Bruchsteinbau mit einem Chorraum aus dem 16. Jahrhundert (Spätgotik) und einem zweijochigen Schiff von 1681. Erste Aufzeichnungen belegen den Beginn des Baues im 14. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert stellte man die Kapelle fertig. 1657, also kurz nach dem 30jährigen Krieg, stiftete das Prümer Hospital einen Sack Korn zur Instandsetzung der Kapelle. 1811 kam es zu größeren Reparaturen im inneren und äußeren Kapellenbereich. Neue Altäre erhielt die Kapelle 1866. 1909 verbrannten viele kostbare Gegenstände der Kapelle im Hause des Küsters, wo sie wegen der Feuchtigkeit der Kapelle aufbewahrt worden waren. 1910 stiftete Bruder Francois Bungartz einen Kreuzweg.
Eine umfassende Restauration datiert aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Restaurator Arnold Merzigloth aus dem saarländischen Tholey hat sein Bildnis 1979 an der Kapellenwand hinterlassen. Den Hochaltar zieren barocke Figuren wie die Gottesmutter als Himmelskönigin mit Kind. Eine Pieta findet der Besucher im Eingangsbereich. Im sternenförmigen Deckengewölbe zeigen sich die vier Evangelisten.
Neue Glocken wurden am 20. Juni 2009 in Kerschenbach von Christoph und Hermann Schmitt aus Brockscheid, vor Ort, gegossen. Die Glockenweihe war am 6.09.2009. Das erste Läuten der neuen Glocken war am 2.11.2009 an Allerseelen.
Ein Besuch der Kapelle lohnt sich.

Quellenangabe:
Cremer B., Geschichtliche Nachrichten  ber die Bürgermeisterei Stadtkyll, Prüm 1834
Delvos H., Kerschenbach im Rahmen heimatgeschichtlicher Ereignisse
Ders., Stadtkyller Chronik
Ein kleines Schmuckstück zum Wiederentdecken. In: Trierischer Volksfreund vom 9.1.1992
Oster P., Geschichte der Pfarreien der Dekanate Prüm-Waxweiler, Bd. III. Trier 1927
Schannat/Bärsch, Eiflia illustrata, Kreis Daun, Nachdruck, Osnabrück 1982
Seiberts A., Römische Spuren an der Oberen Kyll. In: Trierischer Volksfreund vom 5.11.2003

Von Kerschenbach existiert noch eine Fülle von alten Fotos, die das alltägliche Leben einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft widerspiegeln. Aufgenommen hat diese der Kronenburger Pfarrer Peter Windelschmidt, der in den Jahren 1919-1926 der Kronenburger Pfarrei vorstand. Er war auch der Begründer der über die Eifel hinaus bekannten Kronenburger Tell-Spiele.

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6. Brauchtum

 

6.1 Burgsonntag

Am Burgsonntag wird traditionell der Winter verbrannt. Durchgeführt wird dieser Brauch von den Meßdienern der Ortsgemeinde. Teilnehmen kann jedoch jedes Kind welches bereits die nötige Kraft zum Mitarbeiten hat. Wochen vorher wird bereits eifrig Reisig im Wald für diesen Tag gesammelt. Am Burgsonntag, eine Woche nach Karneval, wird dieses zusammen mit Stroh zu einer sogenannten Burg aufgeschichtet und in den Abendstunden angezündet und verbrannt.
Beim einsammeln des Strohs in der Ortsgemeinde, wobei auch die Weihnachtsbäume mit abgefahren werden, wird an jeder Haustür ein Lied gesungen mit der Bitte um eine Strohspende. Da die Anzahl der Bauern jedoch rückläufig ist, ist dieser Spruch leider nicht mehr so oft zu vernehmen.

Sammelspruch beim Strohsammeln:
"Strüh, Strüh
zur neuer Burch,
die ahl jitt verbrannt,
die neu kütt ent Land.
Jitt oss eh jot Scheutche,
su deck wie en Perdslief,
dann jit ühr Kohr och zu allerischt rief."

Nach dem Verbrennen werden dann die Eier und Spenden im ganzen Dorf eingesammelt. In der jetzigen Zeit werden überwiegend Geldspenden gegeben, da auch die Hühnerhaltung nicht mehr populär ist. Auch beim Sammeln wird ein entsprechendes Lied vorgetragen.

Sammelspruch beim Eiersammeln:
"Hie kun mer jejange
de Burch`eier ze fange,
un wenn Ihr oss kein Eier jitt,
dan woll mer och Ühr Mädcher nett."

6.2 Klappern

Wie eigentlich allgemein bekannt, schweigen die Glocken in der Zeit von Gründonnerstag bis Ostern. Dieser Brauch ist mindestens seit dem Jahr 850 bezeugt. Aus zahlreichen Orten im gesamten deutschen Sprachraum sind Bräuche bekannt, die zu unterschiedlichen Gottesdiensten in der Zeit des Glockenschweigens rufen. Bei uns jedoch beschränkt sich das Klappern um die Morgens-, Mittags- und Abendsglocke zu ersetzen. Obwohl dieses Geläut schon seit geraumer Zeit in unserer Gemeinde nicht mehr praktiziert wird.
Meist geht es beim Klappern sehr laut zu. Es wird nicht (nur) gesungen, es wird gelärmt, mit den bekannten Ratschen, oder auch mit anderen Lärm-Instrumenten. Diese Bräuche sind meist nicht sicher zu datieren. Es paßt jedoch ins allgemeine liturgiegeschichtliche Bild, diese Bräuche in der Zeit des Barock und in die Gegenreformation anzusiedeln. In dieser Zeit nahm der Passionskult einen großen Aufschwung, außerdem finden sich in der Katechismus-Literatur dieser Zeit Empfehlungen, das Klappern in den Gemeinden einzuführen. Wie bei vielen brauchtümlichen Äußerungen, die in der Vergangenheit gern gleich bis in das "germanische Heidentum" zurück verlegt wurden, handelt es sich auch hier um einen Brauch, der aus dem Bereich der Liturgie stammt.

Die Durchführung des Klapperns obliegt hier wiederum den Meßdienern, wobei jedoch alle Kinder daran teilnehmen dürfen. Wenn es bei den Kleinsten auch nur kurze Strecken am Anfang sind, ist die Begeisterung hierfür doch zu spüren.
Natürlich ist der Ehrgeiz bei den Älteren schon größer, es wartet doch noch das Einsammeln der Eier, Süßigkeiten und Geldspenden am Samstagnachmittag, welche redlich unter den Teilnehmern verteilt werden. (Hoffentlich!)

Gesungen wird:

am Morgen: Morjensglock, Morjensglock usw.
(Morgensglocke)
Mittags: Mettich, Mettich, hat ihr de Zopp bal rejt usw.
(Mittag, Mittag, habt ihr die Suppe bald fertig)
Abends: Owensglock, Owensglock usw.
(Abendsglocke)
Sammeln: Oustereier, Oustereier usw.
(Ostereier)

6.3 Ströppen

Kam ein auswärtiger Freier zum drittenmal (auch schon mal weniger) in das Haus des Mädchens aus unserem Ort, so ging die Dorfjugend von einem festen Verhältnis aus.
Man lauerte dem Burschen vor dem Haus seiner Freundin auf, um ihn zu "ströppen".
Kaum hatte er das Haus betreten, so fielen die Burschen ein und sagten ihren Spruch auf:

"Wir haben es vernommen, und sind nun gekommen.
Du hast uns die schönste Rose aus dem Garten genommen. 
Im Namen des Gesetzes bist Du strafbar."

Gleichzeitig wurde der Braut,jedenfalls zu meiner Zeit, ein schöner Blumenstrauß übergeben, und ein mitgebrachten Schnaps wurde an alle ausgeschenkt.Wurde der Schnaps vom Bräutigam getrunken so war das Ströppen angenommen.
Entrichtet der Freier nun seinen Tribut, war er damit in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.

Leider wurde dieser schöne Brauch schon seit langem nicht mehr durchgeführt.

6.4 Streuen / Puppen aufhängen

Der Brauch des Streuens hat sich in der heutigen Zeit so gut wie überlebt.
Hatte eine Braut oder ein Bräutigam eine Liason über Jahre, die jedoch nicht zur Hochzeit mit dieser Person führte, so wurde ursprünglich in der Nacht vor dieser Hochzeit eine Spur vom Hause der Braut oder des Bräutigams zu dieser ehemaligen Liebe gestreut. Ebenso wurde noch eine Strohpuppe, für alle gut sichtbar, in der Nähe dieser Häuser an einem Mast aufgehängt. 

6.5 Totengeläut

Wird dem Küster ein Sterbefall gemeldet, so läutet dieser die Totenglocke.
Erklingt die Glocke nur einmal, so ist ein Kind gestorben.
Beim Tode einer Frau ertönt die Totenglocke zweimal, bei einem Mann dreimal.
Ist jemand schwer erkrankt und liegt im Sterben, so wird die Person vom Pfarrer versehen. Heute versieht der Pfarrer die Sterbenden meistens alleine und unbemerkt von der Dorfgemeinschaft.

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7. Sage der Getreidemühle

Am Kerschenbach muss auch eine Getreidemühle existiert haben, deren Fundamente noch vor Jahrzehnten sichtbar waren. Über diese Mühle hat der ehemalige Stadtkyller Lehrer Heinrich Delvos eine Sage verfasst. Sie lautet:

Es schauen so friedlich von Kerschenbach
die Häuser zum Wiesengrund,
wo drunten an dem klaren Bach
die Mühle klappert Stund um Stund!
Sie klappert bei Tag, sie klappert bei Nacht
und schafft das Mehl herbei;
der Müller sich ins Fäustlein lacht,
bald ist die Mühle frei.
Der Müller hat ein hartes Herz
und haßt, was gut und weich;
er häuft das Geld mit Spott und Scherz
und wird allmählich reich.
Im Winter einst bei Schnee und Wind
klopft’s an der Mühle Tor,
es bittet ein Frau mit Kind
in Not um Brot davor.
Der Müller hat ein hartes Herz
und weiset schroff sie ab;
er fühlt nicht mit der Ärmsten Schmerz,
treibt sie vom Hof hinab.
Als es dann wieder Sommer ward,
stand’s mit der Ernte schlecht,
die Ähren leer, der Boden hart,
vergebens mähten Herr und Knecht.
Die Mühle hört zu klappern auf
und stellt das Mahlen ein.
Es plätschert nur des Baches Lauf,
kein Bauer bringet Korn herein.
Und als die Not kein Ende nahm,
ward bald der Müller arm.
Der Meister Tod zur Mühle kam
ohn’ Gnade und Erbarm;
der holt ihm fort sein Weib und Kind,
des Müllers Herz bleibt Stein;
weg ging der Knecht, sein Hausgesind,
am Grab stand er allein.
Und wie ein Fluch verfolgt es ihn,
er hasst sein Haus und Land,
legt in der Wut ein Feuer hin,
bald steht die Mühl’ in Brand.
Es flattert wild der rote Hahn
hoch auf dem strohbedeckten Dach,
der Müller lacht in seinem Wahn,
entsetzt dreht sich das Rad im Bach.
Er geht gestützt auf seinem Stab,
zum Berg und schaut dem Feuer zu,
die Mühle wird zum Aschengrab.
Dann wandert er ohn’ Rast und Ruh.
Sein harter Sinn hat ihm genommen
das Glück und gab ihm Hass und Qual.
Nie ist er mehr zurückgekommen
in dieses schöne, stille Tal.
Die Flur, wo einst die Mühle stand,
wird heut’ noch „en d’r Mühl“ genannt,
und in der Erd’ die Mauer steht
am Bach, wo sich das Rad gedreht.

Für die große Hilfe bei der Zusammenstellung dieser Chronik, dankt die Ortsgemeinde Herrn Hubert Pitzen aus Stadtkyll.
Die Chronik wird zur Zeit vom Ortsbürgermeister Walter Schneider weitergeschrieben.

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